Zum Auftritt von Musiker Andi Weiss in Ottobrunn

Der singende Seelsorger

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Andi Weiss möchte mit seiner Musik nicht nur unterhalten, sondern den Menschen Halt geben.

Für Andi Weiss, 1977 geboren, stand nach der Schule fest: „Ich möchte Menschen begleiten und für sie da sein.“ So ließ er sich zum evangelischen Diakon ausbilden. „Eine sowohl pädagogische als auch theologische Ausbildung“, erklärt er. Viele Absolventen arbeiten in Heimen, in der Diakonie oder werden Teil einer Kirchen- gemeinde. Auch Andi Weiss war zunächst als Diakon tätig, doch mittlerweile sitzt er entweder am Klavier und singt für sein Publikum oder berät Menschen in seiner Praxis in München-Pasing. In seinem Leben gab es also einen Punkt, an dem es eine andere Wendung genommen hat. „Das ist das, was das Leben für mich so spannend macht“, sagt er. Mit manchmal unerwarteten Wendungen, die das Leben bereithält, setzt sich Andi Weiss auseinander. Sowohl als Musiker als auch als Therapeut. Bereits als Diakon in Laim traf er eine Bandbreite an Menschen und machte Erfahrungen und Erlebnisse, die ihn geprägt haben. „Ich saß am Sterbebett einer 49-jährigen Frau, ich lernte einen Menschen kennen, der von 50 Euro eine Woche lang leben musste“, zählt er als Beispiele auf. „Ich habe als Diakon vieles erlebt, das ich für mich manchmal nicht einfach so klären konnte.“ Die Auseinandersetzung, ja vielleicht auch Angst vor dem Tod, aber auch die Widrigkeiten, denen ein Mensch in seinem Leben ausgesetzt ist, beschäftigten ihn. Seine Fragen versuchte Weiss daraufhin am Klavier für sich zu beantworten — mit selbstgeschriebenen Texten und Liedern. „Die Musik, die ich heute in Konzerten spiele, ist also auch Eigentherapie“, gibt er lachend zu. „Ich bring dich durch den Sturm“, „Ich weiß, es kommen wieder gute Tage“ oder „Alles hatte seinen Grund“ — so lauten die Titel seiner allesamt deutschsprachigen Lieder. Das klingt nicht nach purer Unterhaltungsmusik, mit denen sich Weiss‘ Publikum vom Alltag ablenken kann. „Ich möchte mit meiner Musik nicht nur unterhalten, sondern den Menschen Halt geben“, lautet sein persönliches Konzept als Musiker und Songpoet.

Miteinander lachen, aber auch weinen können

2010 stand Weiss sozusagen an der Weggabelung und überlegte sich, welchen Weg er einschlagen sollte. „Ich gab bereits zu meiner Zeit als Diakon Konzerte und musste aus zeitlichen Gründen so viele Anfragen absagen, dass ich mich dazu entschied, meine Gemeinde zu verlassen“, sagt er. Als Seelsorger ist er aber im Prinzip immer noch tätig. Nur eben anders. Zu seinen Worten kommt jetzt noch die Musik. „Wenn ich die Texte für ein Lied schreibe, merke ich, dass da noch was fehlt. Wenn die Musik dann hinzukommt, ist auch die Emotion da“, sagt Weiss. Bei seinen Konzerten sollen seine Zuhörer miteinander lachen und, wenn es eben so ist, auch weinen können. Auf seinen CDs handeln die Lieder vom Abschiednehmen, vom Mut, von der Angst und Lebenskrisen, in denen man festzustecken meint, oder von seinem kleinen Sohn. Ebenso fließen all die Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen mit ein. Weiss‘ Konzept geht auf: Von der Hanns-Seidel-Stiftung wurde er mit dem „Nachwuchs- preis für Songpoeten“ ausgezeichnet, in der Kategorie „Bester nationaler Künstler“ erhielt er den Musikpreis „DAVID“. Nah am Menschen ist er aber nicht nur als Musiker. „Wie das Leben gelingen kann, das zeige ich auch in meiner Beratungspraxis“, so Weiss. Ob Privatpersonen, Paare oder Firmen, sie alle berät er als Coach. Der ausgebildete Diakon machte noch eine zusätzliche Ausbildung zum Logo- therapeuten. „Die Logotherapie ist auf keinen Fall mit der Logopädie zu verwechseln“, sagt er und erklärt: Viktor E. Frankl habe die Logotherapie als eine Art der Psychotherapie begründet, bei der die Sinn- suche des Menschen im Vordergrund stehe. „Ich unterstützte einen Menschen bei der Fragestellung, wie das Leben gelingen kann“, so Weiss. Die Sinnsuche sieht er dabei nicht als Luxusgut. „Auch wer größtes Leid erlebt, sucht einen Sinn und kann lernen, auch größtes Leid als Aufgabe anzunehmen und heroisch zu ertragen.“ Weiss erwähnt auch das wertschätzende Leid. „Man kann einem Menschen zeigen, was er Tolles geschafft hat und somit wertschätzen, wie er mit Schwierigkeiten umgeht.“ Wertvoll sei es auf alle Fälle auch, zu schätzen, dass man vieles gemeinsam erlebt und auch erträgt. Nähe zueinander, damit kann das Leben eben leichter gelingen. Verena Rudolf

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